Das eigene Aktiendepot: Geldanlage mit Chancen und Risiken

LEKTION 2: DAS EIGENE AKTIENDEPOT: GELDANLAGE MIT CHANCEN UND RISIKEN

„An der Börse sind 2 mal 2 niemals 4, sondern 5 minus 1. Man muss nur die Nerven haben, das minus 1 auszuhalten.“ Andre Kostolany brachte es auf den Punkt: Die Geldanlage in Aktien ist die chancenreichste schlechthin, wenn man bereit ist, die Risiken und Unsicherheiten des Aktienmarktes in Kauf zu nehmen.

In dieser Lektion erfährst Du… 

  • Welche Risiken mit Aktien einhergehen
  • Wie diese Risiken definiert und gemessen werden
  • Wie sich Risiken begrenzen und steuern lassen
  • Welche Chancen und Vorteile der Aktienmarkt im Vergleich zu anderen Anlagen bietet

Als Aktionär besitzt Du einen Anteil an einem Unternehmen. Der Anteil mag gemessen an der Gesamtgröße des Unternehmens sehr klein sein – aber es ist ein Anteil mit allen Rechten eines Aktionärs. Aktionäre haben für jede ihrer Aktien eine Stimme auf der Hauptversammlung und erhalten alle dieselbe Dividende pro Aktie, wenn das Unternehmen Gewinne ausschüttet. Für die Rechte aus einer einzelnen Aktie spielt es also keine Rolle, ob Du eine Aktie oder 1 Million Aktien besitzt.

Systematische und Unsystematische Risiken

EDU_Icon_0005_RisikoJedes Kind weiß (spätestens seit dem Crash des Neuen Marktes nach der Jahrtausendwende) dass Anlagen am Aktienmarkt mit Risiken verbunden sind. Doch welche Risiken genau sind damit gemeint? Banker unterscheiden so genannte systematische und unsystematische Risiken.

Unsystematische Risiken sind solche, die mit dem Unternehmen selbst zusammenhängen. Das Unternehmen kann seinen wichtigsten Kunden verlieren und dadurch von der Gewinn- in die Verlustzone rutschen. Ein strategischer Wettbewerbsvorteil wie z. B. der privilegierte Zugriff auf wichtige Rohstoffe kann aufgrund von Verträgen, Kriegen etc. plötzlich wegfallen und die Produktion verteuern oder gar unmöglich machen.

Das Unternehmen kann an ein unfähiges Management geraten, das den einst solide wirtschaftenden Betrieb herunterwirtschaftet. Banken können Kreditlinien kündigen und damit eine Schieflage auslösen. Die Liste solche typischer Beispiele für unternehmerische Risiken ließe sich noch lange fortsetzen. Aktionäre tragen diese unternehmerischen Risiken als Anteilseigner selbst – wenn auch mit Einschränkungen.

Aktionäre können nicht mehr verlieren als ihren Einsatz

EDU_Icon_0020_KleinanlegerEntwickeln sich die Geschäfte eines Unternehmens enttäuschend oder gerät der Betrieb gar in eine bedrohliche Schieflage, müssen Aktionäre in der Regel zunächst auf Dividenden verzichten und einen starken Kursverfall mit ansehen. Im schlimmsten Fall – bei einer Insolvenz des Unternehmens – droht ein Totalverlust. Im Insolvenzfall werden aus den verbliebenen Vermögenswerten zunächst die Gläubiger bedient.

Aktionäre sind aber keine Gläubiger, sondern Eigentümer und müssen sich beim Insolvenzverwalter ganz hinten anstellen. In der Regel wird wenig bis gar nichts an die Aktionäre ausgezahlt. Aktionäre haften jedoch nicht über ihre Anteile hinaus für Verbindlichkeiten des Unternehmens: Mehr als 100 Prozent Verlust sind definitiv und seit weit mehr als 100 Jahren rechtlich ausgeschlossen.

Systematische Risiken sind weitaus häufiger relevant, haben aber weniger extreme Auswirkungen. Gemeint sind damit vor allem Kursverluste infolge einer insgesamt schwachen Marktentwicklung. Es kann seit Jahrzehnten beobachtet werden, dass in schlechten Börsenjahren auch gute und solide Aktien deutlich fallen – einfach, weil die Marktteilnehmer zu diesem Zeitpunkt keine Lust auf Aktien haben. Altmeister Kostolany würde sagen: Es gibt mehr Aktien als Idioten.

Volatilität: Kursschwankungen messen das Risiko

EDU_Icon_0017_WiderstandRisiken werden im Zusammenhang mit Aktien vor allem anhand der Kursschwankungen gemessen, was natürlich nur rückblickend sicher möglich und damit nur ein Indikator ist. Je größer die Kursschwankungen einer Aktie oder eines Indexes, desto größer ist das Risiko. So lautet jedenfalls die gängige Lehrmeinung. Die Kursschwankungen werden anhand der Volatilität gemessen. Eine Volatilität von 30 Prozent bedeutet z. B. dass eine Aktie im Laufe eines Jahres zwischen 70 und 130 Prozent ihres aktuellen Kurses geschwankt ist.

Die Definition von Risiken ist essentiell für deren Handling. Der wichtigste Grundsatz für Investitionen am Aktienmarkt lautet: Setze niemals alles auf ein Pferd. Genauer müsste der Grundsatz sogar lauten: Setze niemals nur auf wenige, sondern auf viele Pferde und achte darauf, dass die Pferde nicht alles aus demselben Stall kommen. Im Klartext: Durch eine Aufteilung des Anlagebetrages auf möglichst viele unterschiedliche Aktien werden systematische und unsystematische Risiken minimiert. Diese Aufteilung wird auch als Diversifikation bezeichnet.

Diversifikation: Setze nie auf ein einzelnes Pferd

EDU_Icon_0013_ForexNoch Anfang der 1990er Jahre war Diversifikation für Privatanleger kaum möglich, weil dazu viele einzelne Kaufaufträge eingereicht werden müssen und damals für jeden Kauf noch horrende Gebühren anfielen. Die Zeiten haben sich geändert: Ein Portfolio mit 100 verschiedenen Aktien lässt sich heute günstiger aufstellen als die Investition desselben Betrages in einen Investmentfonds verschlingt (dazu erfährst Du in Lektion 4 mehr!).

Das unsystematische Risiko wird durch Diversifikation am stärksten begrenzt: Besteht das Aktiendepot auf 50 verschiedenen Aktien führt selbst die Pleite eines Unternehmens maximal zu einem Verlust von 2,00 Prozent – das holen die Dividenden der anderen Aktien noch im selben Jahr wieder raus. Grundsätzlich gilt: Je mehr Aktien im Depot, desto geringer ist das unsystematische Risiko. Ab etwa 10 verschiedenen Aktien gilt die Diversifikation als halbwegs passabel, ab 50 als sehr gut und ab 100 Aktien als professionell.

Risiko gezielt steuern mit Beta-Auswahl

EDU_Icon_0010_FundamentalanalyseAllerdings sollten die Aktien keine zu große Nähe untereinander aufweisen, weil sonst branchenspezifische Risiken beträchtlich zunehmen. Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit: Deutsche Energiekonzerne litten unter dem Atomausstieg, Banken unter der Finanzkrise. Ein gutes Aktiendepot besteht aus Aktien aus unterschiedlichen Branchen und (!) Ländern. Es reicht, wenn  es sich um die 5-10 wichtigsten Branchen aus etablierten Industrieländern handelt.

Eine gute Streuung reduziert auch das systematische Risiko, weil nicht alle Aktien in gleichem Umfang auf Veränderungen am Gesamtmarkt reagieren. Wie sich eine Aktie (in der Vergangenheit) im Verhältnis zum Gesamtmarkt entwickelt hat zeigt die Kennzahl „Beta“. Ein Beta von 0,50 besagt, dass sich die Aktie in dieselbe Richtung bewegt hat wie der Gesamtmarkt – aber nur im halben Umfang. Ein Beta von 1,50 sagt aus, dass sich die Aktie 1,50mal so stark bewegt hat wie der Gesamtmarkt. Ist das Beta negativ, hat sich die Aktie gegenläufig zum Gesamtmarkt bewegt.

Kursverluste begrenzen mit Stop Loss?

EDU_Icon_0002_Charts„Verluste begrenzen, Gewinne laufen lassen“ – für aktive Trader ist diese Regel zweifelsohne gültig. Ob sie auch für langfristig orientierte Anleger gilt ist dagegen umstritten. Macht es Sinn, ein Stop Loss zu platzieren und damit Kursverluste einzugrenzen?

Wird dem Broker ein Stop Loss erteilt und z. B. festgelegt, dass die XY-Aktie umgehend verkauft werden soll wenn der Kurs 80,00 Euro unterschreitet, begrenzt das Kursrisiken in der Tat. Für langfristig orientierte Anleger besteht allerdings das Risiko, immer zum falschen Zeitpunkt auszusteigen, wenn der Markt den Großteil seines Abwärtstrends schon hinter sich gelassen hat. Das hat einen einfachen Grund: Wenn die Strategie grundsätzlich keine häufigen Käufe und Verkäufe vorsieht muss ein Stop Loss relativ weit entfernt vom aktuellen Kurs platziert werden, damit es nicht durch einfache Marktschwankungen (die mit +/- 30 Prozent keineswegs auffällig hoch sein müssen) ausgelöst wird.

Die großen Vorteile des Aktienmarktes

EDU_Icon_0000_BoerseNachdem Du von all den Risiken des Aktienmarktes erfahren hast ist Dir die Lust auf die Börse vergangen? Dann sind Dir wahrscheinlich die vielen Vorzüge der Aktie nicht bewusst, mit denen das übernommene Risiko gewissermaßen vergütet wird.

Vergleiche die Aktie mit einem Sparbuch: Natürlich kann mit einem Sparbuch „nichts passieren“. „Nichts“ gilt aber auch für die Rendite: Nach Abzug der Inflation verliert ein Sparbuch sogar Geld. Das gilt mittlerweile auch für Festgeld und die meisten (als sicher einzustufenden) Anleihen. Aktien sind Sachwerte und schützen deshalb weitgehend gegen Inflation. Für Sparbücher- und Konten, Staatsanleihen und Lebensversicherungen gilt das nicht.

Das Risiko von Aktien ist viel geringer als gemeinhin angenommen, wenn nicht die Kurs-, sondern die Dividendenentwicklung betrachtet wird. Die Dividende ist ein wichtiger Baustein des Gesamtertrags eines Aktienportfolios, der weitaus weniger von den Launen des Marktes abhängt als der Kurs selbst.

Dass die meisten Fachleute Aktien „langfristig“ die höchste Rendite zutrauen hat aber neben der direkten Beteiligung an wirtschaftlicher Wertschöpfung noch einen weiteren Grund: Die Krisen der vergangenen 100 Jahre wurden – zumindest bezogen auf Deutschland – von Aktionären häufig besser überstanden als von Anleihegläubigern  – man denke nur an die beiden deutschen Staatsbankrotte des 20. Jahrhunderts!

Wir halten fest: 

  • Aktionäre können nie mehr verlieren als ihren Einsatz
  • Langfristig bieten Aktien attraktive Perspektiven
  • Aktien schützen besser gegen Inflation und Krisen als Anleihen oder Sparbücher
  • Mit Aktien sind systematische und unsystematische Risiken verbunden
  • Risiken werden u.a. anhand von Volatilität und Beta gemessen

Fazit:

Review_Icon_0000_FinanzprodukteAktien ermöglichen attraktive Gewinne durch Kurssteigerungen und Dividenden. Ganz selbstverständlich ist damit auch ein gewisses Risiko verbunden, das sich allerdings erstens durch Diversifikation und Aktienauswahl reduzieren lässt und sich zweitens in der (sehr) langfristigen Perspektive relativiert. Wenn Du von Aktien überzeugt bist erfährst Du in der nächsten Lektion, wie Du sie online handeln kannst.

LEKTION 3: SO EINFACH KANNST DU AKTIEN ONLINE KAUFEN UND VERKAUFENDieses Thema könnte auch interessant sein:

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