Depotgebühren und Kosten beim Aktienhandel

LEKTION 4: WELCHE DEPOTGEBÜHREN UND KOSTEN MUSS ICH BEIM AKTIENHANDEL BEACHTEN?

„Hin und her macht Taschen leer“ – diese alte Börsenregel stammt noch aus den 1980er Jahren und hat sich längst überlebt. Onlinebroker ermöglichen den Handel mit Aktien heute jedermann zu niedrigen Gebühren. Es ist kostengünstiger, ein 100.000 Euro auf 100 verschiedene Aktien zu verteilen und 30 davon einmal pro Jahr gegen andere Titel auszutauschen als einmalig 100.000 Euro in einen Investmentfonds zu investieren.

In dieser Lektion erfährst Du… 

  • warum Transaktionskosten heute kein großes Problem mehr sind
  • Wie Broker Gebühren berechnen
  • Wann sich außerbörslicher Handel lohnen kann
  • Worauf Du bei Broker-Neukundenaktionen achten musst

Etwas Gutes hatte der New Economy-Boom um die Jahrtausendwende dann doch: Im Zuge der Hausse in den 90er Jahren hat sich Onlinebrokerage auf dem deutschen Markt etabliert. Die Transaktionskosten sanken damals drastisch und sind bis heute nicht wieder angestiegen. Der Broker-Markt ist für Anleger günstig, weil sehr viele Anbieter aktiv um Kunden werben.

Diese Kosten fallen beim Aktienhandel an

EDU_Icon_0020_KleinanlegerManche Broker verlangen pauschale Gebühren für die Depotführung, andere verzichten ganz oder unter Bedingungen (z. B. ein Mindestvermögen von 10.000 Euro) darauf. Wenn Du wenig handelst solltest Du auf ein Depot ohne Fixkosten achten. Wenn Du häufiger handelst sind dagegen die Handelskosten wichtiger. Und nun wird es leider ein klein wenig kompliziert: Die Orderentgelte setzen sich bei den meisten Brokern aus mehreren Posten zusammen.

Eine typische Gebührenformel für einen Trade lautet: „5,00 Euro plus 0,25 Prozent, mindestens aber 10,00 und höchstens 70,00 Euro, plus 2,50 Euro Handelsplatzentgelt“. Die 0,25 Prozent beziehen sich auf das Transaktionsvolumen, also den Marktwert, zu dem die Order schlussendlich ausgeführt wird. Beträgt dieser 10.000 Euro errechnen sich die Ordergebühren als: 5,00 Euro plus 25,00 Euro plus 2,50 Euro. Bei einer Order über 1.000 Euro fallen dagegen 10,00 Euro plus 2,50 Euro an.

Die meisten Broker berechnen ihre Gebühren tatsächlich nach einer Formel, die dem obigen Beispiel sehr nahe kommt. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel: Einige rechnen auch zu Pauschalpreisen ab oder setzen auf sehr ausgefallene Gebührenmodelle. Wirbt ein Broker mit Pauschalpreisen musst Du auf Börsengebühren achten: Diese werden dann häufig nicht über das Handelsplatzentgelt abgedeckt sondern fallen zusätzlich an.

Gebühren für Auslandsorders oft drastisch höher

EDU_Icon_0006_KostenBei sehr ausgefallenen Gebührenmodellen muss man sein eigenes Handelsverhalten sehr genau kennen, um den Nutzen abschätzen zu können. Einige Broker verzichten z. B. unter Bedingungen auf Gebühren für Wertpapierkäufe, rechnen Wertpapierverkäufe aber dafür recht hoch ab. Als „Hausnummer“ kannst Du mit Ordergebühren zwischen 7,00 und 80,00 Euro pro Trade rechnen – weder darunter noch darüber finden sich viele Anbieter.

Das Vorgenannte gilt nicht für Auslandsorders. Das sind Aufträge, die an Börsenplätzen außerhalb Deutschlands aufgegeben werden – etwa an der New York Stock Exchange, der NASDAQ oder bei EURONEXT. Einheitliche Gebühren innerhalb der EU existieren nicht und sind auch nicht absehbar. Einige Broker ermöglichen grundsätzlich keine Auslandsorders. Andere verlangen dafür grundlegend andere Gebühren, wieder andere setzen lediglich ein meist höheres Handelsplatzentgelt an: Statt 2,50 Euro für eine Order über Xetra (die elektronische Handelsplattform der Börse Frankfurt) z. B. 15,00 Euro für jede Auslandsorder.

Handelsplatzentgelte und Auslandsorders

EDU_Icon_0009_SteuernJe genauer Du Dein Handelsverhalten kennst, desto besser für den Brokervergleich. Wenn Du nicht nur an deutschen Börsenplätzen handelst bleibt Dir wahrscheinlich ein Blick ins Preisverzeichnis mehrerer Broker nicht erspart. Die vielen Vergleichsrechner im Internet berücksichtigen in aller Regel nicht die Kosten für Auslandsorders.

Eine Anmerkung noch zum Handelsplatzentgelt: Falls Du zusätzlich mit Optionsscheinen handelst, kannst Du Dich hierfür am Xetra-Entgelt orientieren. Für den Handel mit Zertifikaten ist Börse Frankfurt Zertifikate oder die Börse Stuttgart der richtige Handelsplatz – im Preisverzeichnis findet sich beides oft unter „sonstige Inlandsbörsen“.

Falls Du planst, überwiegend mit US-Aktien zu handeln, solltest Du nach einem Broker mit angelsächsischem Preismodell suchen. Solche Broker haben ihre Sitz oft in Großbritannien, aber auch in den Niederlanden. In beiden Fällen ist die Kontoeröffnung (da EU-Länder) kein Problem. Lediglich die Abgeltungssteuer musst Du selbst abführen (Details dazu findest Du in Lektion 8). Bei diesen Brokern werden US-Orders z. B. mit 1,00 Cent (!) pro Aktie bei einem Mindestumsatz von 5,00 Euro abgerechnet.

Was im Brokervergleich noch wichtig ist

EDU_Icon_0005_RisikoWenn man sich schon die Mühe macht und Broker vergleicht sollte man es auch richtig machen. Deshalb solltest Du die Konditionen im außerbörslichen Handel, Rabatte und Prämien für Neukunden, Vieltrader-Rabatte und die Konditionen im Fondsgeschäft beachten.

Der außerbörsliche Handel ist bei fast allen Brokern mittlerweile Standard. Die Orders werden dabei nicht an die Börse weitergeleitet, sondern sofort zum Festpreis ausgeführt (erinnere Dich an Lektion 3). Relevant ist der OTC-Handel für Aktien und alle derivativen Finanzinstrumente. Derivate werden direkt mit dem jeweiligen Emittenten gehandelt (z. B. Zertifikate von BNP Paribas oder Societe Generale), Aktien mit einigen wenigen Maklern (insbesondere Lang&Schwarz).

Im außerbörslichen Handel sind die Gebühren oft günstiger als im Börsenhandel. Vor allem auf das Handelsplatzentgelt, mit dem die Kosten der Börsen abgegolten werden, verzichten viele Broker. Bei fast allen Broker finden laufend Sonderpreisaktionen für außerbörslich gehandelte Zertifikate oder Optionsscheine statt . Nur wenige Broker bieten solche Extra-Vergünstigungen für Aktien. Wo dies der Fall ist, können dann z. B. DAX-Aktien für 3,00 Euro pro Trade gehandelt werden.

Doch Vorsicht: Beim außerbörslichen Handel drohen zusätzliche, versteckte Kosten. Lass Dir nicht von Deinem Broker einreden, es sei vorteilhaft, Aktien außerbörslich auch spätabends oder sogar am Wochenende zu handeln. Wenn Du das tust musst Du mit sehr viel schlechteren Kursen (also weiteren Spreads) rechnen. Außerbörslicher Handel lohnt sich paradoxerweise nur, wenn die amtlich regulierte Börse zeitgleich geöffnet hat und Du die Kurse in Echtzeit vergleichen kannst.

Angebote für Neukunden und Vieltrader

Review_Icon_0008_ZusatzangeboteDass Banken Girokonten mit Startguthaben und Tagesgeldkonten mit befristet höheren Zinsen bewerben ist Dir sicher schon aufgefallen. Solche Neukundenaktionen gibt es auch bei Brokern. Sie werden aus dem Marketingbudget finanziert und sollen für Wachstum bei den Kundenzahlen sorgen. Neukundenaktionen von Brokern lassen sich grob in drei Kategorien unterteilen:  „Prämie gegen Trades“, „Zinsen gegen Depotübertrag“ und „anfänglicher Rabatt auf die Ordergebühren“.

Die Anbieter lassen sich nicht lumpen: Mit 30-50 Trades ab jeweils 10,00 Euro Gebühr lässt sich durchaus ein Apple iPAD im Wert von mehreren hundert Euro „ertraden“. Auch quersubventionierte Zinsen für Tagesgeld oder Festgeld lohnen sich: Garantiert ein Broker z. B. 4% für 20.000 Euro ein Jahr lang und zahlen Banken ansonsten nur 1% summieren sich die zusätzlichen Zinserträge auf 600 Euro. Bedingung ist allerdings, dass die Zinsen auch voll ausgeschöpft werden können. Für Angebote in dieser Größenordnung reicht meistens bereits ein Depotübertrag ab ca. 5.000 bis 10.000 Euro bezogen auf den Marktwert der übertragenen Wertpapiere am Tag der Einbuchung.

Auch Rabattaktionen sind einen Blick wert: Nicht selten verzichtet ein Broker in den ersten sechs oder zwölf Monaten nach der Eröffnung Deines Aktiendepots auf die Hälfte der Gebühren. Du musst aber zwingend die genauen Angebotsbedingungen beachten: Häufig fällt der prozentuale Rabatt effektiv geringer aus weil z. B. die Grundgebühr nicht rabattiert wird.

Falls Du mindestens 100 Trades im Jahr tätigst lohnt sich ein Blick auf Rabatte für Vieltrader, die es bei etwa jedem fünften Broker auf dem deutschen Markt gibt. Die Preisnachlässe reichen von 5-80 Prozent, wobei das obere Ende der Spanne 5.000 Trades und mehr pro Jahr erfordert. Meistens werden die Rabatte eingeräumt, wenn eine bestimmte Anzahl Trades im Vorjahr, Vorhalbjahr oder Vorquartal getätigt wurde.

Wir halten fest: 

  • Eine Aktienorder kostet  zwischen ca. 7,00 und 80,00 Euro
  • Häufige Gebührenformel: Grundgebühr+Provision+Handelsplatzentgelt
  • Angelsächsische Broker rechnen anders ab
  • Weiter wichtig beim Brokervergleich: OTC-Handel, Rabatte und Neukundenaktionen
  • Aktienhandel trotz Diversifikation billiger als Fonds

Fazit:

Review_Icon_0000_FinanzprodukteWenn Du 100.000 Euro in 100 verschiedene Aktien investierst ist das zu Transaktionskosten ab ca. 700 Euro möglich. Wenn Du einmal pro Jahr 30 Aktien verkaufst und 30 neue kaufst fallen weitere ca. 400-450 Euro an. Zum Vergleich: Ein aktiv verwalteter Fonds kostet einmalig 1.000 Euro (1%) Ausgabeaufschlag und jährlich weitere 1.500 Euro (Management- und Verwaltungsgebühren). Deshalb eignen sich Aktien nicht nur für aktive Trader, sondern auch für langfristig orientierte Anleger. Was zwischen diesen beiden den Unterschied ausmacht erfährst Du in der nächsten Lektion.

LEKTION 5: BASISSTRATEGIE: BESSER AKTIV HANDELN ODER LANGFRISTIG GELD IN AKTIEN ANLEGEN?

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