Lektion 1: Wie funktioniert die Börse und was sind Aktien?

LEKTION 1: WIE FUNKTIONIERT DIE BÖRSE UND WAS GENAU SIND AKTIEN?

„Die ganze Börse hängt nur davon ab, ob es mehr Aktien als Idioten gibt – oder umgekehrt“. So fasste  der Börsen-Altmeister Andre Kostolany das Geschehen auf dem Börsenparkett einst pointiert zusammen. Ganz so einfach ist zwar nicht, in einem Punkt stimmt es aber: Die Börse ist ein Marktplatz, auf dem Angebot und Nachfrage die Preise bestimmen.

In dieser Lektion erfährst Du… 

  • wie Märkte durch Angebot und Nachfrage effizient geräumt werden
  • Warum die Börse so funktioniert wie jeder andere Markt
  • Wie Käufer und Verkäufer die Kurse an der Börse beeinflussen
  • Wie Börsen Aktienkurse feststellen
  • Was Aktien sind und welche Funktion in der Wirtschaft sie zusammen mit Börsen erfüllen 

Stell Dir einen belebten Marktplatz  – sagen wir, einen orientalischen Basar – vor, auf dem hunderte potenzielle Käufer sich mit den wichtigsten Gütern des täglichen und nicht täglichen Bedarfs eindecken und dazu die Stände von dutzenden Händlern besuchen. Wie auf jedem Markt möchten die Käufer einen möglichst niedrigen Preis erzielen, die Verkäufer dagegen einen möglichst hohen Preis erlösen. Doch wie einigt man sich?

Preisbildung auf Märkten: Die Grundlagen jedes Marktes

EDU_Icon_0010_FundamentalanalyseEine Möglichkeit bestünde in staatlich vorgegebenen Preisen für alle auf dem Marktplatz gehandelten Güter. Wird ein  solcher Preis zu hoch angesetzt, kaufen zu wenige Käufer zu diesem Preis und ein Teil der eigentlich für den Konsum bestimmten und fertig produzierten Ware bleibt liegen und verfällt  – ein Verlust für den Markt als solchen also.

Wird ein Preis zu niedrig angesetzt, übersteigt dagegen die Nachfrage das Angebot: Die vorhandenen Güter reichen nicht aus, um alle Kaufinteressenten zu bedienen. Die Folge eines zu niedrig angesetzten, von außen verordneten Preises: Der Staat wird entweder selbst andere Zuteilungsmechanismen als den Preis festlegen (z. B. Rationierung), oder diese Mechanismen werden sich von selbst entwickeln. Hinlänglich bekannte Beispiele sind Schlangestehen und Bestechung. In beiden Fällen wird dem festgelegten Preis ein weiterer Preis (Vergeuden von Zeit oder zusätzliche Zahlung) hinzugefügt.

Auf freien Märkten einigen sich Käufer und Verkäufer ohne formelle Festlegung über den Gleichgewichtspreis. Das ist der Preis, zu dem der Markt „geräumt“ wird. Das bedeutet, dass weder ein Angebots- noch ein Nachfrageüberhang besteht. Genau gesagt: Alle, die zu diesem Preis zu handeln bereit sind tun es auch. Einigen Käufern wird dieser Preis zu hoch sein und sie werden den Markt verlassen. Einigen Verkäufern wird der Preis zu niedrig sein und sie werden ihre Waren aus den Regalen räumen.

Der Kurs einer Aktie ist der Gleichgewichtspreis

EDU_Icon_0002_ChartsWas haben orientalische Basare, Gleichgewichtspreise und geräumte Märkte mit der Börse zu tun? Ganz einfach: Eine Börse ist nichts anderes als ein Marktplatz – gewissermaßen ein Basar – für Aktien. Wer Aktien kaufen möchte tut dies fast immer über die Börse. Wer Aktien besitzt und sich von diesen trennen möchte sucht dafür auch eine Börse auf. An der Börse treffen damit Angebot und Nachfrage für Aktien zusammen.

Der Kurs einer Aktie ist ihr Preis. Gleichzeitig ist der aktuelle Börsenkurs auch der Preis, zu dem der Markt – jedenfalls für den Moment – geräumt ist: Der Gleichgewichtspreis. Aktienkurse werden auf den großen elektronischen Handelsplattformen wie Xetra oder NASDAQ schon  lange nicht mehr durch menschliche Akteure ermittelt. Die Kursbildung erfolgt anhand festgelegter Ausführungswege, die den Stück-Umsatz maximieren sollen.

Wenn sich sehr viele Anleger für eine bestimmte Aktie interessieren und Orders ins Orderbuch der Börse einstellen wird der Kurs steigen, bis auf der andere Seite genügend Verkäufer bereit sind, sich von ihren Papieren zu trennen. Dieser Vorgang wiederholt sich bei den großen Börsen im Sekundentakt und tausende Male am Tag. Die modernen, elektronischen Handelsplattformen gelten als die effizientesten Märkte der Welt und haben in diesem Punkt wenig mit einem Basar gemein.

Das Orderbuch der Börse

Review_Icon_0000_FinanzprodukteAn modernen, elektronischen Börsen sieht man keine wild gestikulierenden Makler und keine Tumulte unter Finanzhaien wie in manchem Hollywood-Streifen. Anleger  – sowohl private als auch institutionelle – stellen Orders ins Orderbuch der Börse und warten auf die automatisierte Ausführung. Privatanleger können Orders nicht selbst an die Börse richten, sondern nur über ihren Broker.

Im Orderbuch gibt es zwei Seiten: Die Käuferseite (auch als „Geld“ bzw. „Bid“) bezeichnet und die Verkäuferseite (auch als „Brief“ bzw. Ask“) bezeichnet. Anleger können ihre Orders ohne weitere Bedingungen absenden oder sie mit einem Limit versehen. Du darfst niemals und unter keinen Umständen Orders ohne Limit absenden – aber dazu erfährst Du in einer der späteren Lektionen mehr.

Hat eine Aktie zuletzt z. B. bei 50,00 Euro notiert kann ein Käufer eine unlimiterte Order (Billigst) über z. B. 300 Stück abgeben. Sein Auftrag ist dann „in Gottes Hand“: Kann die Order nur zu einem Preis von 70,00 Euro ausgeführt werden wird auch genau das geschehen. Solche Abweichungen sind zwar nur bei Aktien aus der dritten Reihe realistisch zu erwarten – dennoch ist eine Auftragserteilung mit Limit immer vorzuziehen. Mit einem Limit legt der Käufer seine persönliche Preisobergrenze (z. B. bei 51,00 Euro) fest: Zu einem höheren Kurs kann die Order dann nicht ausgeführt werden.

Die Ausführungsregeln machen aus Bid und Ask den Aktienkurs

EDU_Icon_0009_SteuernGenauso, nur spiegelverkehrt verfahren die Verkäufer: Ein Aktienbesitzer kann z. B. festlegen, dass der Verkauf zu mindestens 50,50 Euro erfolgen muss – oder eben gar nicht. Die Handelsplattform „matcht“ Geld- und Briefseite unter Berücksichtigung von Limits so, dass die höchste mögliche Stückzahl gehandelt wird.

Wenn in der Zeitung oder in Finanzportalen ein Geld- und ein Briefkurs aufgeführt ist, handelt es sich um den höchsten Geldkurs und den niedrigsten Briefkurs im Orderbuch. Die Differenz zwischen beidem wird als „Spread“ oder auch „Geld/Brief-Spanne“ bezeichnet. Blue Chip-Aktien notieren an den großen Handelsplattformen zumeist mit nur wenigen Cents Spread, auch wenn der Aktienkurs im oberen zwei- oder unteren dreistelligen Euro-Bereich liegt.

Die Geld- und Brief-Kurse geben einen Anhaltspunkt dafür, mit welchen Kursen Käufer und Verkäufer bei einer Transaktion rechnen können. Die tatsächlichen Ausführungskurse der Vergangenheit sind dagegen zumindest theoretisch uninteressant. Viele Börsen veröffentlichen ihre Handelsdaten. Wer im Internet nach Kursdaten sucht stolpert nahezu zwnagsläufig über Begriffe wie „Level I“ und „Level II“. Dazu ein Zitat von der Homepage der Deutschen Börse:

„Level 1 bietet den besten Geld- und Briefkurs zusammen mit dem dahinter stehenden Ordervolumen und dem zuletzt gehandelten Preis mit entsprechendem Volumen. In Level 2 sind alle Informationen aus Level 1 enthalten, zudem werden die besten zehn Geld- und Briefkurse angezeigt“.

Basiswissen über Aktien: Ein Anteil am Unternehmen

EDU_Icon_0012_AktienDie Börse dient entgegen mancher kritischer Betrachter nicht „nur zum Zocken“, sondern erfüllt in jeder Volkswirtschaft wichtige Funktionen. Unternehmen müssen sich Kapital beschaffen können, um Investitionen zu tätigen. Die Ausgabe von Aktien ist dazu ein effizienter Weg, sich das Unternehmen nicht bei seinen Aktionären verschuldet, sondern diese stattdessen an seinem Geschäft beteiligt.

Die Börse liefert Marktpreise für solche Beteiligungen und macht damit viele realwirtschaftliche Investitionen erst möglich. Könnten sich Investoren nicht über die Börse jederzeit zu effizient ausgehandelten Preisen von ihren Aktien trennen, wären die Konditionen für Unternehmen bei der Ausgabe von Aktien schlechter, was sich auf Investitionen und damit auf Wirtschaftswachstum, Wohlstand und Arbeitslosigkeit auswirken müsste.

Aktien sind ein Anteil am Unternehmen. Wie groß der Anteil ist, hängt von der Anzahl der insgesamt durch das Unternehmen emittierten Aktien ab –  bei Unternehmen wie BMW können das z. B. mehr als 600 Millionen Stück sein. Der Besitz der Aktie verbrieft verschiedene Rechte für den Aktionär, darunter das Recht zur Abstimmung auf der Jahreshauptversammlung und das Recht auf Beteiligung an Dividendenzahlungen und Ansprüche auf einen Anteil am möglichen Liquidationserlös des Unternehmens.

Wir halten fest: 

  • Der Kurs einer Aktie ist der Gleichgewichtspreis des Aktienmarktes
  • Der Gleichgewichtspreis wird fortlaufend durch Angebot und Nachfrage neu bestimmt
  • Börsen legen Kurse nach festgelegten Regeln fest
  • Die Börse erleichtert Unternehmen die Beschaffung von Kapital

Fazit:

Review_Icon_0000_FinanzprodukteDie Aktienkurse werden durch Angebot und Nachfrage bestimmt wie der Preis anderer Güter. Die Börse übernimmt damit eine wichtige Funktion in der Volkswirtschaft, von der auch Anleger als Aktionäre profitieren können. Doch worauf basiert dieser Profit und warum kommt es immer wieder zu starken Kursschwankungen? Um das zu verstehen musst Du wissen, welche Faktoren die Entscheidungen von Aktienkäufern- und Verkäufern beeinflussen. Das ist Bestandteil der zweiten Lektion.

LEKTION 2: DAS EIGENE AKTIENDEPOT: GELDANLAGE MIT CHANCEN UND RISIKEN

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