Aktienauswahl: Fundamental,Technisch oder beides?

LEKTION 6: AKTIENAUSWAHL: FUNDAMENTALANALYSE, TECHNISCHE ANALYSE ODER BEIDES?

Das meiste Geld verdient man mit den besten Aktien zum richtigen Zeitpunkt. Doch wie werden die  besten Aktien herausgefiltert und der Zustand des Gesamtmarktes bewertet? Bewährt haben sich die Fundamentalanalyse und die Technische Analyse, die sowohl jeweils allein als auch in Kombination sehr gute Ergebnisse liefern können.

In dieser Lektion erfährst Du… 

  • Welche Kennzahlen für Aktien wichtig sind
  • Welche Fundamentaldaten etwas über den Gesamtmarkt verraten
  • Wie die Technische Analyse Dich bei Entscheidungen unterstützen kann

Um Aktien fundamental bewerten zu können musst Du nicht Betriebswirtschaft studiert haben. Alle wichtigen Informationen zum Geschäftsverlauf eines Unternehmens finden sich in seiner Bilanz, die es mindestens einmal pro Jahr nach gesetzlichen Standards erstellen muss. Die für Privatanleger wichtigste Basis der Fundamentalanalyse für einzelne Aktien sind deshalb Bilanzkennzahlen. Diese kannst Du Dir entweder selbst ausrechnen oder sie in unzähligen Finanzportalen- und Fachmedien in Erfahrung bringen. Die meisten börsennotierten Unternehmen verschicken ihre Jahresberichte kostenlos per Post.

Die wichtigsten Fundamentalkennzahlen für Aktien

EDU_Icon_0009_SteuernDie Aufgabe von Fundamentalkennzahlen besteht darin, den Kurs einer Aktie im Verhältnis zum Potenzial des Unternehmens zu bewerten. Eine günstige Gelegenheit bietet sich, wenn Aktien gemessen an bestimmten Kennzahlen günstig bewertet sind. Zu den bekanntesten Kennzahlen gehört das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Es wird durch die Division des aktuellen Aktienkurses mit dem für das laufende oder das nächste Geschäftsjahr erwarteten Gewinn errechnet. Wird ein Gewinn von z. B. 2,00 Euro pro Aktie erwartet und notiert das Papier bei 20,00 Euro ergibt sich daraus ein KGV von 10,00. Als Gewinn wird meistens das EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) herangezogen.

Grundsätzlich gilt: Je niedriger das KGV, desto günstiger ist die Aktie. Im langfristigen historischen Vergleich gilt für den Gesamtmarkt ein KGV von unter 10,00 als günstig und ein KGV von mehr als 20,00 als teuer. Ist der Gesamtmarkt mit einem sehr hohen KGV bewertet ist also Vorsicht angesagt – vor allem wenn die Kurse schon weit gelaufen sind und auch andere Umstände wie z. B. eine nachlassende Konjunktur für einen Rückschlag sprechen.

Das KGV wird allerdings nur selten im Kontext des Gesamtmarktes betrachtet. Wichtiger ist es beim Vergleich von Aktien aus derselbe Branche: Je größer das vom Markt unterstellte Wachstumspotenzial einer Branche ist, desto höhere KGVs werden prinzipiell auch in Kauf genommen. Es macht deshalb keinen Sinn, das KGV eines Energieversorgers mit dem eines Pharmaunternehmens zu vergleichen.

Die Bedeutung von Dividenden wird oft unterschätzt

EDU_Icon_0001_Aktien_kaufenAnstelle des Gewinns pro Aktie wird häufig auch der Cash Flow eines Unternehmens verwendet. Der Vorteil liegt in der geringeren Anfälligkeit des Cash Flows für „bilanzpolitische Maßnahmen“, die den Gewinn optisch erhöhen. Der Cash Flow ist definiert als der Nettoliquiditätszufluss eines Unternehmens.

Eine weitere wichtige Kennzahl ist die Dividendenrendite. Vor allem wenn Du langfristig in Aktien investierst solltest Du auf eine attraktive Ausschüttungspolitik achten: Die Dividende kann die Hälfte der Gesamterträge eines Portfolios ausmachen. Die Dividendenrendite errechnet sich durch die Division des aktuellen Aktienkurses durch die für das laufende oder das kommende Jahr angesetzte Dividendenzahlung pro Aktie. Die meisten Unternehmen geben ihre Pläne in dieser Hinsicht für mehrere Jahre im Voraus bekannt. Je näher ein Dividendentermin rückt, desto sicherer ist die angekündigte Auszahlung – grundsätzlich kann das Unternehmen die Ausschüttung jederzeit kürzen oder ausfallen lassen, wenn sich die Geschäfte schwach entwickeln oder das Geld für andere Zwecke benötigt wird.

Du solltest Aktien allerdings keinesfalls nur (!) anhand der Dividendenrendite auswählen. Eine hohe Dividendenrendite kann mehrere Gründe haben: Einer davon ist ein niedriger Kurs infolge von problematisch wahrgenommenen Entwicklungen oder der Überzeugung der Marktteilnehmer, dass sich die versprochenen Dividenden nicht realisieren lassen. Eine zu starke Fokussierung auf die Dividendenrendite birgt zudem das Risiko einer Klumpenbildung im Portfolio: Oft liegen bei dieser Kennzahl Unternehmen aus ein oder zwei Branchen weit vorn.

Die Buchwertmethode

Review_Icon_0001_HandelskonditionenDie Buchwertmethode ist das Herzstück des „Value Investing“ in der Manier eines Warren Buffet oder Benjamin Graham. Was ist der Buchwert eines Unternehmens? Um diesen zu ermitteln werden  die Aktivposten in der Bilanz (den Vermögensgegenständen im Unternehmensbesitz) im ersten Schritt um die notwendigen Abschreibungen gekürzt. Im zweiten Schritt werden die Verbindlichkeiten des Unternehmens (also z. B. Bankkredite, umlaufende Anleihen) abgezogen. Im dritten Schritt können zusätzlich immaterielle Vermögensgegenstände abgezogen werden.

Unterm Strich bleibt eine Art „Nettosubstanz“ bzw. Nettosubstanz pro Aktie. Diese wird mit dem Aktienkurs verglichen. Besonders günstig sind Unternehmen, wenn ihr Buchwert – also die Summe der nicht durch Schulden finanzierten Vermögensgegenstände – größer ist als der Wert des Unternehmens an der Börse. Der Buchwert notiert dann unter 1,00. Die Buchwertmethode hat Schwächen, wenn das Risiko eines größeren Wertberichtigungsbedarfs besteht und die Substanz des Unternehmens dadurch stark schwinden könnte. Deshalb wird das Kurs-Buchwert-Verhältnis selten zur Bewertung von Banken herangezogen.

Auch das Kurs-Umsatzverhältnis wird häufig zur fundamentalen Bewertung von Unternehmen herangezogen: Übersteigt die Marktkapitalisierung (also der Marktwert aller Aktien eines Unternehmens) den jährlichen Umsatz liegt das KUV über 1,00, ansonsten ist es kleiner als 1,00. Ähnlich wie beim KGV gilt, dass der Vergleich vor allem zwischen Unternehmen derselben Branche sinnvoll ist.

Konjunkturindikatoren: Fundamentaldaten für den Gesamtmarkt

EDU_Icon_0018_IndikatorDie Fundamentalanalyse betrachtet auch die Entwicklung des Gesamtmarktes. Es wird davon ausgegangen, dass der Aktienmarkt bestimmte Entwicklungen in der Wirtschaft sechs bis zwölf Monate vorweg nimmt. Besonders wichtig ist dabei die konjunkturelle Entwicklung, weil diese direkt mit der Umsatz- und Gewinnentwicklung der meisten Unternehmen im Zusammenhang steht.  Zur grundsätzlich sehr schwierigen Prognose der Konjunktur dienen verschiedene Indikatoren.

Wichtig: Die so genannten „Wachstumsprognosen“ von Wirtschaftsforschungsinstituten wie ifo oder DIW beeindrucken die Börse selten. Das gilt erst recht für alle Prognosen der Bundesregierung. Wichtiger sind einzelne Daten wie z. B. der Auftragseingang in der Industrie, die Produktion im verbeitenden Gewerbe, die Arbeitslosenquote, die Zahl der Baugenehmigungen, die Anzahl der OKW-Neuzulassungen, der Einzelhandelsumsatz, die Großhandelspreise usw.

Darüber hinaus gibt es mehrere Umfrageindikatoren von Wirtschaftsforschungsinstituten, die am Aktienmarkt regelmäßig große Beachtung erfahren. In diese Kategorie fallen z. B. der ifo-Geschäftsklimaindex, der ZEW-Indikator, der GfK-Konsumklimaindex und diverse deutsche, europäische und internationale Einkaufsmanagerindizes. Es werden fast jeden Tag irgendwelche Indikatoren veröffentlicht. Du kannst Dir mit einem Finanzkalender einen Überblick verschaffen. Wichtig: Ein einzelner Konjunkturindikator ist wenig aussagekräftig. Ein stimmige Gesamtbild ergibt sich aus vielen Indizien und über einen mehrmonatigen Zeitraum!

Die Technische Analyse: Den richtigen Zeitpunkt finden

EDU_Icon_0007_AltersvorsorgeViele Fachleute sind sich darüber einig, dass langfristig die allgemeine Wirtschaftsentwicklung über den Verlauf des Aktienmarktes entscheidet. Kurz- und mittelfristig sind markttechnische und massenpsychologische Aspekte dagegen wichtiger. Du solltest Dir unbedingt die Erfahrung sparen, aus vermeintlich besserem Wissen heraus gegen den Markt zu handeln. Nur weil Aktien günstig bewertet sind und sich ein Konjunkturaufschwung klar abzeichnet muss der Aktienmarkt noch lange nicht seine Talfahrt beenden.

Von Deinem vermeintlich günstigen Einstiegskurs aus kann es nochmal 50 Prozent nach unten gehen, bevor der Markt „zur Vernunft“ kommt. Genauso sinnlos ist es, ständig auf eine fundamentale Überbewertung des Marktes hinzuweisen und die drohende Blasenbildung zu beschwören. Der Markt kann Jahre oder sogar Jahrzehnte im überbewerteten Bereich notieren und immer weiter steigen. Deshalb sollten der Einstieg und der Ausstieg unabhängig von der Fundamentalanalyse erfolgen.

Die Technische Analyse drängt sich hier geradezu auf: Solange ein Aufwärtstrend intakt ist wäre es geradezu töricht, Aktien nur aufgrund eines hohen KGVs zu verkaufen. Genauso gefährlich ist der Einstieg in einen fundamental günstig bewerteten Markt mit starker Abwärtsdynamik.

Wir halten fest 

  • KGV, KUV und Dividendenrendite sind wichtige Aktienkennzahlen
  • Die Buchwertmethode ist das Herzstück des Value Investing
  • Die Fundamentalanalyse eignet sich nicht zu Timing-Zwecken 

Fazit:

Review_Icon_0000_FinanzprodukteErfolgreiches Handeln bedingt eine sorgfältige Aktienauswahl und ein gutes Timing. Fundamentalkennzahlen ermöglichen auch ohne großen Aufwand eine objektive Betrachtung des wirtschaftlichen Potenzials einer Aktie. Die Technische Analyse filtert Marktentwicklungen heraus, die mit der fundamentalen Entwicklung nichts zu tun haben bzw. diese überdecken. Wie Du mit diesen Erkenntnissen Deine Altersvorsorgestrategie optimierst erfährst Du in der nächsten Lektion.

LEKTION 7: MÖGLICHE STRATEGIEN ZUR ALTERSVORSORGE MIT EINEM AKTIENDEPOTDieses Thema könnte auch interessant sein:

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